Archive for November, 2005

Didaktisch nicht wertvoll

Monday, November 21st, 2005

Nach dreizehn Jahren Schule und gut einem Jahr Uni möchte ich hier folgendes proklamieren: Präsentationsfolien sind didaktisch nicht wertvoll.

Jeder Schüler, Student und vor jeder Mensch im deutschen sowie internationalem Management kennt sie: Präsentationsfolien, z.B. mit Powerpoint, OpenOffice oder einem LaTeX-Paket gestaltet. Auf ihnen zu finden: Stichpunkte und Grafiken. Damit die Folien leicht verdaulich sind: Nicht viel davon. Diese Folien benutzt man dann in der Chefetage, um dem Vorstand ein gutes Geschäftsergebnis vorzugau… ähm zu präsentieren. Oder auch in der Bildung.

Nur dass sie in letzterer meiner Meinung nach ziemlich fehl am Platz sind, da Information unnatürlich komprimiert und zerstückelt wird:

  • Auf eine Folie passen nur kurze Stichpunkte sowie Kernaussagen. Was für Präsentationen im Geschäftsumfeld vielleicht von Vorteil ist, ist an der Uni weniger gut: Hier geht es doch gerade um die Vermittlung des Stoffes - und zwar nicht nur im Groben, sondern doch gerade um Grundlagen und Details.
  • Da auf Folien nur sehr wenig Information ,,passt”, verschwinden Definitionen, Sätze, Zwischenergebnisse usw. nach den zwei Minuten, währen die Folie gezeigt wird wieder. Sind dies dann solche Brocken, wie in einer Informatikvorlesung hat selbst der geneigte Student keine Chance sich all den Stoff letzten halben Stunde zu merken. Schreibt der Dozent an Tafeln (und ist genügend Tafelplatz da), dann hat man quasi den Stoff von bis zu 45 Minuten noch im Blick und kann sich die Definitionen usw. wieder in Gedächtnis rufen.
  • Auswege daraus gibt es eigentlich nur einen: Man füllt die obere Hälfte der Folie mit den vorherigen Definitionen. Das reduziert den Restplatz auf der Folie noch mehr…
  • Warum sollen auf einer Folie nur Stichpunkte stehen? Der Grund dafür ist, dass eine Folie sich nicht wie ein Tafelbild aufbaut - selbst nicht mit hereinfließendem Text - sondern einfach so ,,da” ist. Steht dann auf einer Folie der gesamte Text, über den in den nächsten 5 Minuten geredet wird, ist man schonmal abgeschreckt - oder man folgt dem Dozenten nicht, da man ihm vielleicht beim (Vor)lesen etwas zu weit ist. Die Geschwindigkeit, mit der geschrieben wird, ist natürlicher und näher an der Geschwindigkeit des Denkes bzw. Verstehens.
  • Außerdem stelle ich irgendwie immer mit erstaunen fest, dass eine gute Handschrift an der Tafel bei gleicher Größe besser leserlich ist, als die Schrift auf der Projektionswand. Aus dem Beamer kommt meist eine sehr große Schrift, um die viel Abstand gelassen wird - und selbst dann habe ich oft mehr Probleme das Geschriebene zu erfassen als bei einem Tafelbild.
  • Folien laden den Geist zudem noch zur Faulheit ein: Man kann sie sich ja aus dem Internet herunterladen und braucht nicht mehr mitzuschreiben. Ähnliches gilt für Vorlesungen mit Skriptum. Sicherlich: Es kann schon einfacher und effizienter zu sein, aus einem gut aufgebautem Skriptum zu lernen, als aus seinem eigenen Mitschrieb (der hier und da ein bisschen unleserlich ist). Auch ich habe das in meiner Analysis-Vorlesung getan. Wenn ich die Vorlesung jedoch mitschreibe, dann ist das für mich eine Motivation mitzudenken (Gründe sind etwa: Fehler erkennen, Fragen wie ,,ist das jetzt ein i oder ein j?” usw.) und ich habe von der Vorlesung mehr.

Es hat wahrscheinlich seine Gründe, aus dem hier in Karlsruhe Mathematik ausschließlich eine ,,Kreidevorlesung” ist: Wo viel vermittelt wird, sind Folien nicht sinnvoll.

Eine Verbesserung erfahren die Folien übrigens, wenn der Dozent - wie unserer Professor in technischer Informatik - die Beispiele per ,,Tablet-PC” auf leeren Folien vorrechnet. Aber auch hier - wie übrigens auch auf handgeschriebenen Folien auf dem OHP (over head projector) verschwindet die Information mit dem Zeitpunkt, an dem eine neue Folie aufgelegt wird.

Joel On iTunes

Friday, November 18th, 2005

Joel Spolsky hat auf seiner Homepage einen Artikel über den Disput zwischen Apple und der Musikindustrie veröffentlich.

Er stellt dort eine für mich neue These zu den Preisen für Musikstücke im iTunes Music Store auf: Die Musikindustrie will über den Preis für die einzelnen Stücke den Verkauf regeln - jedoch nicht über den marktwirtschaftlichen Grundsatz ,,Nachfrage regelt Preis” sondern eher über die weit verbreitete Meinung ,,was viel kostet, ist auch gut”. Aber lest selbst: Klick mich!

Niveau hoch bitte!

Monday, November 14th, 2005

Die Spieleseite Gamigo.de fragt suggestiv in einer sog. ,,News” (ich war schon immer ein Freund der absolut nötigen Anglizismen in der Spiele-Szene), ob der Koalitionsvertrag der CDU/CSU/SPD (Sortierung: Alphabetisch) das generelle Verbot von ,,Killerspielen” vorsieht.

Anscheinend ist dieser Beitrag schlecht recherchiert. Ich hatte keine Lust mich durch die Gamigo-Seiten zu klicken (ist eh zum Großteil Werbung) um festzustellen, ob die Mitarbeiter der Seite sonst journalistisch besser vorgehen. Ich stelle jetzt einfach mal ein Zitat in den Raum:

[16:34] McRossenwhales: http://www.gamigo.de/news_detail/pc/26320/Games/?Site=news_detail
[16:35] nSK|Thorondor: www.gamigo.de = verboten!

Der Kommentar steht ungefähr so einsam im Raum wie Gamigos Berichterstattung aus zweierlei Sicht: ,,Historisch” und vom Kontext her.

Kontext des Zitates

Vom Kontext her fehlt bei dem Zitat Gamigos so einiges: 25 Zeilen! Mit ihrem Zitat - in dem auch die Kennzeichnung von fehlendem Text fehlt - erwecken sie den Eindruck, die designierte Bundesregierung verstehe unter ,,Aufwachsen ohne Gewalt” alleine das ,,Verbot von Killerspielen”. Tatsächlich wäre vielleicht folgender Ausschnitt genauer gewesen (Zeilen 5125-5146):

6.3 Aufwachsen ohne Gewalt 5125

Wir bekämpfen Kindesmisshandlung und -vernachlössigung nachhaltig, indem wir
die Prävention stärken, insbesondere im Rahmen der internationalen und
europäischen Zusammenarbeit und durch innovative Modellmaßnahmen zur
Kriminalitätsprävention und zur Verbesserung des Opferschutzes.

Die Koalitionspartner verabreden, den Schutz von Kindern und Jugendlichen
nachhaltig zu verbessern. Die aktuellen Regelungen sind angesichts der rasanten
Entwicklungen im Bereich der Neuen Medien noch nicht ausreichend, um den
wachsenden Gefährdungen junger Menschen auf dem Mediensektor wirksam
entgegenzutreten.

Die Neuregelungen im Jugendschutz werden schnellstmöglich – und deutlich vor dem für März 2008 verabredeten Zeitpunkt – evaluiert, um notwendige Konsequenzen rechtzeitig ziehen zu können. Wir wollen hierzu unverzüglich in einen zielorientierten Dialog mit den Ländern eintreten. Folgende Eckpunkte sollen vorrangig erörtert werden:

  • Wirksamkeit des Konstrukts ,,Regulierte Selbstkontrolle”
  • Altersgrenzen für die Freigabe von Filmen und Spielen/Alterskennzeichnung von
    Computerspielen
  • Verlässliche Kontroll- und Sicherheitsstandards für Videoverleihautomaten
  • Verbot von ,,Killerspielen”

In diesem Kontext liest sich der Abschnitt des Koalitionsvertrages für mich eher so: Wir wollen unsere Kinder vor Gewalt schützen. Dazu gehört wie bisher der Schutz vor Gewalt in der Familie. Insbesondere möchten wir in den kommenden vier Jahren den Schutz vor neue Medien verstärken, weil uns der bisherige Schutz nicht für die sich ständig ändernde Welt der neuen Medien nicht ausreicht. Dabei soll vor allem die Gesetzeslück geschlossen werden, dass ein durch die USK eingestuftes Spiel nicht indiziert werden kann. Gewaltverherrlichende Spiele sollen effektiv eingestuft werden und Kindern und Jugendlichen nicht zugänglich gemacht werden.

Ich interpretiere das Wort Verbot also als ,,für Kinder nicht zugänglich” und halte das auch für eine im Allgemeinen gute Sache ™. Sicher ist nicht jeder Mensch unter 18 Jahren unfähig, Gewaltdarstellungen zu verarbeiten und nicht jeder volljährige Mensch in jedem Fall dazu fähig. Ich halte jedoch den Gesetzgeber (also die Bundesregierung) dafür zuständig, Kindern ein ,,Aufwachsen ohne Gewalt” zu ermöglichen. Welches Mittel hat eine Regierung für eine solche Aufgabe wenn nicht eine Zugriffsbeschränkung? Um gleich dem beliebten Argument ,,bringt doch eh nicht in jedem Fall etwas” zuvorzukommen: Das Verbot von Mord ist auch nicht hinfällig, weil es immer noch Mörder gibt!

Zeitlicher Rahmen

Betrachten wir nun einmal die Vorgeschichte, bzw. was ich hier dazu zähle. Im Jahre 2002 passierte ,,Erfurt”: Ein 19-Jähriger Schüler läuft wegen ,,Schulfrust” Amok und tötet 16 Menschen (Bericht auf WDR.de). Die Folgen in den Medien waren weitreichend: Schüler, Eltern und Lehrer suchten nach Gründen.

Dabei gerieten auch Computerspiele, die das Thema Gewalt in den Mittelpunkt ihrer Handlung stellen, ins Visier der Poltiker, Medien und der Öffentlichkeit. Der Ruf nach einer Novelle des Jugenschutzgesetzes wurde laut und trat dann letztendlich im April 2003 in Kraft.

In diesem wurde unter anderem die Alterskennzeichnung von Computerspielen durch die USK als verbindlich festgelegt. Weiterhin standen im Gesetz (bzw. dem gleichzeitig erschienem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag) noch Regelungen zur Verbreitung von ,,jugendgefährdendem Material” (dort natürlich etwas präzisierer formuliert) über Funk, Fernsehen und Trägermedien wie DVDs. Weiterhin wurde der aus der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPjS) die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, die seitdem auch ohne Anträge Medien auf eine nicht veröffentlichte Verbotsliste setzen kann.

Und: Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

PS: Die Möglichkeit zur völlig werbefreie und übersichtliche Diskussion findet ihr nicht im Gamigo-Forum, dafür aber in der Kommentarfunktion dieses Weblogs.

Plagiatismus

Thursday, November 10th, 2005

Ich muss hier einmal der von Janis verbreiten Fehlinformation Paroli bieten! David Hasselhoffs Lied Looking For Freedom ist keineswegs eine Kopie des Liedes Auf der Straße nach Süden von Tony Marshall sondern vielmehr eine Kopie des Liedes Looking For Freedom von Marc Seaberg.

Tony Marshall ist dernenige, der ein Cover von David bzw. Seaberger gemacht hat.

Quelle ist Wikipedia sowie offensichtlich die Existenz der Vinylplatte oben.

Ein Festival der guten Laune

Tuesday, November 8th, 2005

habe ich euch leider momentan nicht zu bieten. Trotz dem unvermeintlichen Wieder-Aufschwung meiner Lesezahlen im November kann ich mich nicht dazu durchringen wirklich regelmäßig in diesem Blog zu veröffentlichen.

Aber: Ich kann euch von folgendem berichten bzw. euch folgendes versprechen:

  1. Ich beschloss in den letzten Tagen, dass ich mich gut von meinem bisherigen Studienstil verabschieden könnte: Statt nach Regelstudienplan Vorlesungen zu hören werde ich zumindest teilweise auf eben diese verzichten. Zumindest bis ich wieder Interesse an den Vorlesungen finde. Dies ist momentan weder in Informatik noch technischer Informatik der Fall (über die genauen Gründe verspreche ich eine Erörterung an dieser Stelle). Damit bleibt in diesem Semester nur Analysis III (,,richtiges Studieren” <= Mathematik?) und mein toller Französisch-Sprachkurs (auch dazu irgendwann mehr).
  2. Mein Fahrrad ist momentan kaputt. Ich muss es reparieren oder ein neues kaufen. Und eben diese Reparatur schiebe ich seit Tagen vor mir her, so dass ich immer eine halbe (!) Stunde früher los gehen muss, um rechtzeitig an der Uni zu sein. Fahrräder sind also alleine deshalb toll, weil man Zeit spart. Warum gerade mein Fahrrad ,,sehr gut” (Zitat: Helge Schneider) ist, werde ich im kommenden Monat beschreiben!
  3. A Song Of Ice and Fire - A Feast For Crows ist erschienen! Heute entschied ich mich daher, alle vorgehenden Bücher (also 1-3) vor dem aktuellen (wohl Band 4) noch einmal durchzulesen. In unregelmäßigen Abständen werde ich die Höhepunkte dieser Bücher auf diesen Seiten hervorhebend noch einmal rekapitulieren lassen. Bitte beachtet, dass ihr diese Stellen hier wirklich rekapitulierend lesen solltet. Voraussetzung (um nicht zu sagen: Abhängigkeit) für das Lesen dieses Weblogs (um es nicht auf das Niveau ein sog. ,,Journal” zu beübervorzuurteilen [Neologismus: Ich]) sind daher Band 1-3 von “A Song Of Ice and Fire”. Zu bekommen z.B. bei: Amazon.
  4. Ich werde hier in Zukunft (oder auch: bälde) ein paar Links aus meinem ,,Zwischenlager”-Lesezeichenordner veröffentlichen. Warnung: Geek Inside ™. Heute: Show Me The Colors. Dieser Blog-Eintrag enthält gute Verweise auf Seiten, die einem bei der Auswahl von Farbschemas für Internetseiten hilfreich zur Seite stehen (Seiten stehen einem zur Seite - hahah! (ich würde hier das ,,8[” Emoticon posten, fühlte ich mich dafür nicht zu elitär)).
  5. Following ist ein intelligent sowie genial geschriebener, erzählter und inszenierter Film (sowie erster Film voller Länge) vom Regisseur Christopher Nolan (der mit Batman Begins den meiner Meinung nach besten ,,Batman” machte). Ich sah ihn am Montag im AFK, dem Kino an der Uni Karlsruhe und fand ihn vollauf toll! Gute Einstellung, gute Leistung der Schauspieler und vor allem von der Geschichte gut erzählt (überlappende ,,Episoden”-Erzählweise, die schon Ideen für Nolans Memento durchscheinen lässt). Prädikat: Empfehlenswert

Wem all dies nicht genug ist, der soll gefälligst zur Hölle fahren oder diese Seite später nochmal besuchen um zu gucken, ob es wirklich so schlecht ist, wie sie/er es erwartet. Vielleicht kriege ich ja doch nochmal die Kurve und das ganze hier wird so gut, dass sich Leute dazu hinreißen lassen, die Kommentarfunktion zu nutzen!