Didaktisch nicht wertvoll

Nach dreizehn Jahren Schule und gut einem Jahr Uni möchte ich hier folgendes proklamieren: Präsentationsfolien sind didaktisch nicht wertvoll.

Jeder Schüler, Student und vor jeder Mensch im deutschen sowie internationalem Management kennt sie: Präsentationsfolien, z.B. mit Powerpoint, OpenOffice oder einem LaTeX-Paket gestaltet. Auf ihnen zu finden: Stichpunkte und Grafiken. Damit die Folien leicht verdaulich sind: Nicht viel davon. Diese Folien benutzt man dann in der Chefetage, um dem Vorstand ein gutes Geschäftsergebnis vorzugau… ähm zu präsentieren. Oder auch in der Bildung.

Nur dass sie in letzterer meiner Meinung nach ziemlich fehl am Platz sind, da Information unnatürlich komprimiert und zerstückelt wird:

  • Auf eine Folie passen nur kurze Stichpunkte sowie Kernaussagen. Was für Präsentationen im Geschäftsumfeld vielleicht von Vorteil ist, ist an der Uni weniger gut: Hier geht es doch gerade um die Vermittlung des Stoffes - und zwar nicht nur im Groben, sondern doch gerade um Grundlagen und Details.
  • Da auf Folien nur sehr wenig Information ,,passt”, verschwinden Definitionen, Sätze, Zwischenergebnisse usw. nach den zwei Minuten, währen die Folie gezeigt wird wieder. Sind dies dann solche Brocken, wie in einer Informatikvorlesung hat selbst der geneigte Student keine Chance sich all den Stoff letzten halben Stunde zu merken. Schreibt der Dozent an Tafeln (und ist genügend Tafelplatz da), dann hat man quasi den Stoff von bis zu 45 Minuten noch im Blick und kann sich die Definitionen usw. wieder in Gedächtnis rufen.
  • Auswege daraus gibt es eigentlich nur einen: Man füllt die obere Hälfte der Folie mit den vorherigen Definitionen. Das reduziert den Restplatz auf der Folie noch mehr…
  • Warum sollen auf einer Folie nur Stichpunkte stehen? Der Grund dafür ist, dass eine Folie sich nicht wie ein Tafelbild aufbaut - selbst nicht mit hereinfließendem Text - sondern einfach so ,,da” ist. Steht dann auf einer Folie der gesamte Text, über den in den nächsten 5 Minuten geredet wird, ist man schonmal abgeschreckt - oder man folgt dem Dozenten nicht, da man ihm vielleicht beim (Vor)lesen etwas zu weit ist. Die Geschwindigkeit, mit der geschrieben wird, ist natürlicher und näher an der Geschwindigkeit des Denkes bzw. Verstehens.
  • Außerdem stelle ich irgendwie immer mit erstaunen fest, dass eine gute Handschrift an der Tafel bei gleicher Größe besser leserlich ist, als die Schrift auf der Projektionswand. Aus dem Beamer kommt meist eine sehr große Schrift, um die viel Abstand gelassen wird - und selbst dann habe ich oft mehr Probleme das Geschriebene zu erfassen als bei einem Tafelbild.
  • Folien laden den Geist zudem noch zur Faulheit ein: Man kann sie sich ja aus dem Internet herunterladen und braucht nicht mehr mitzuschreiben. Ähnliches gilt für Vorlesungen mit Skriptum. Sicherlich: Es kann schon einfacher und effizienter zu sein, aus einem gut aufgebautem Skriptum zu lernen, als aus seinem eigenen Mitschrieb (der hier und da ein bisschen unleserlich ist). Auch ich habe das in meiner Analysis-Vorlesung getan. Wenn ich die Vorlesung jedoch mitschreibe, dann ist das für mich eine Motivation mitzudenken (Gründe sind etwa: Fehler erkennen, Fragen wie ,,ist das jetzt ein i oder ein j?” usw.) und ich habe von der Vorlesung mehr.

Es hat wahrscheinlich seine Gründe, aus dem hier in Karlsruhe Mathematik ausschließlich eine ,,Kreidevorlesung” ist: Wo viel vermittelt wird, sind Folien nicht sinnvoll.

Eine Verbesserung erfahren die Folien übrigens, wenn der Dozent - wie unserer Professor in technischer Informatik - die Beispiele per ,,Tablet-PC” auf leeren Folien vorrechnet. Aber auch hier - wie übrigens auch auf handgeschriebenen Folien auf dem OHP (over head projector) verschwindet die Information mit dem Zeitpunkt, an dem eine neue Folie aufgelegt wird.

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