(Un)glaubwürdige Dozenten
Es gibt so Vorlesungen, die man sich wegen des Dozenten eigentlich schenken kann. Ich möchte hier jetzt keine Namen nennen, aber folgendes geht mir momentan ziemlich auf den Senkel:
Uno: Der Stoff der Vorlesung ,,Systemarchitektur” ist wohl einer der umfangreichsten im Hauptstudium (4 SWS, 2 SWS Tutorien). Der Dozent verschwendet seine Zeit mit nur mehr oder weniger sinnvollen Beispielen ,,aus dem richtigen Leben”. Bei diesen verbringt er dann einfach noch viel Zeit, indem er jeden möglichen Fall durchexerziert obwohl nach der zweiten Betrachtung klar ist, wie alles folgende funktioniert.
Beispiel: Kommunikation von Threads über eine ,,Mailbox”. Damit kann offensichtlich ein Thread, mit einem anderen kommunizieren. Einer mit mehreren oder mehrere mit einem! Dann gibt es natürlich noch 4 Fälle, welcher Thread der sendenen jetzt der langsamste ist und welcher der 4 empfangenden.
Dos (und eigentlicher Grund meines Unmuts): Der Dozent zitiert diverse Autoren und Mitglieder der Betriebssystem-Community (etwa einen Designer von Sun Solaris). Solaris behandelt Deadlocks nicht. Der Designer begründete das damit, dass sie innerhalb des Betriebssystems fast nie aufträten und außerhalb immer durch fehlerhafte Programmierung von Benutzerprogramen entstünden.
Darauf der Dozent: ,,Der Meinung kann man jetzt sein, ob das so richtig ist, weiß man nicht.” So, als ob gerade er die Lösung zum Problem der Deadlocks in seiner Schreibtischschublade oder sie gar schon umgesetzt hätte. Im Tanenbaum (eines der Standardwerke über Betriebssysteme) liest man dann, dass die theoretische Behandlung von Deadlocks zwar beim Beginn der Betriebssysteme ein großes Thema war heute aber in der Forschung keine Rolle mehr spielt. Man kann sie wohl gut auf Graphen zurückführen, wo sich dann Graphentheoretiker austoben können.
Auf spätere Nachfrage zu einem ähnlichen Kommentar, druckste der Dozent dann herum und behauptete, dass es bestimmt Systeme gäbe, die Deadlocks erkennen könnten. Gerade im Embedded-Bereich. Er könne gerade aber keins nennen.
Warum kann man nicht einfach sagen: ,,Das Ignorieren von Deadlocks ist zwar von einem akademischen Standpunkt aus nicht schön, es gibt aber weder eine theoretisch noch praktisch zufriedenstellende Lösung. Das Thema wurde ausführlich erforscht, aber man hat keine Lösung zur Laufzeit gefunden. Wir müssen wohl warten, bis eine Lösung vom Himmel fällt oder bis die Softwareverifikation weit genug ist, Deadlockfreiheit beweisen zu können. Die Informatik ist von der Lösung des Problems jedoch weit entfernt.”
Weil man dann gegenüber den Studierenden den Eindruck des Allwissens verliert? Besser, als die Glaubwürdigkeit zu verlieren!
December 15th, 2006 at 1:00 pm
Manchmal sind Dinge wirklich recht ernüchternd. Manche Professoren sind so weit von dem Gebiet entfernt, über dass sie Vorlesungen halten - unglaublich.
Neulich verwandte z.B. ein Dozent eine Vorlesung darauf, einen Beweis zu führen, der eigentlich schon in der Definition enthalten war.
Sein Assistent bügelte dass dann in der nächsten Stunde aus. :/